Lofoten – raue Schönheit

Lofoten – raue Schönheit

Die Fährüberfahrt am 16.07.2022 von Bodø nach Moskenes ist zum einen nicht besonders komfortabel, da es drinnen nicht genug Sitzplätze gibt und draußen ist es viel zu kalt. Dennoch haben wir unseren Spaß da wir Julian und Vic mit ihren beiden Kindern wieder treffen. Wir teilen uns also zu acht drei Sitzplätze aber trotzdem vergeht die Fahrt wie im Flug. Da Flo nicht so ganz seefest ist, starrt er lange Zeit draußen auf den Horizont und entdeckt einen Wal Blow-Out in weiter Entfernung. Ich habe ebenfalls noch das Glück einen Wal in weiter Entfernung zu erspähen – echt cool! Richtig toll ist auch der erste Blick auf die Lofoten und sofort zieht uns die raue Berglandschaft in ihren Bann. Das Wetter zeigt sich auch von seiner rauen Seite und das passt in diesem Augenblick ganz wunderbar zusammen. Bei Ankunft in Moskenes biegen wir gleich links nach Å ab. Wir erreichen den Ort abends und bleiben auf einem großen geteerten Parkplatz über Nacht. Es wird sich in den weiteren Tagen bzw. Nächten zeigen, dass die Stellplätze nicht unbedingt zu den größten Highlights der Lofoten gehören, sondern eher Mittel zum Zweck sind, so auch bereits in der ersten Nacht. Wir spazieren am nächsten Morgen für ein Frühstück in den Ort und es ist wirklich sehr hübsch und ursprünglich, eingebettet zwischen steil abfallenden Bergspitzen. Das Frühstück besteht aus den angeblich weltbesten Zimtschnecken, zum stolzen Preis von 5€ das Stück. Zugegeben sie sind wirklich ganz hervorragend. Wir versuchen den Preis von ca. 30€ für vier Zimtschnecken und zwei Filterkaffee auszublenden und genießen einfach die „Kanelsnurr“.

Der Tag überrascht uns mit Sonnenschein und so freuen wir uns über Bene’s Wunsch einen der umliegenden Gipfel zu erklimmen. Wir wählen hierfür den Reinebringen aus, der mit ca. 900 Stufen steil nach oben an eine Klippe führt, an der es 400 Meter fast senkrecht nach unten geht. Der Aufstieg ist happig und wir sind richtig überrascht wie Bene alle 900 Stufen hoch und runter selbst bewältigt. Emil harrt die meisten Stufen in der Kraxe aus und Flo hat so einiges zu schaffen. Es hat gut getan sich mal wieder auszupowern und wir wurden mit einem grandiosen Ausblick belohnt!

Die Stellplatzsuche ist nicht so einfach, wie wir es bisher gewohnt waren und so landen wir in Innersand. Der Stellplatz ist eine Wiese bei einem Bauern, der wirklich jegliche Fläche zu Stellplätzen umgewandelt hat. Zu Beginn sind wir nicht sonderlich begeistert, aber im Nachhinein gesehen war es ein super Platz und wir hatten eine tolle Zeit. Emil wacht am nächsten Morgen mit Fieber auf und ist den ganzen Tag platt. So bleibe ich bei Emil – Flo und Bene erkunden den nahe gelegenen Strand. Die beiden haben dort viel Spaß und kommen ausgepowert wieder. Trotzdem steigt Bene danach noch mit mir auf den angrenzenden Berghang. Nach den ersten 200 Höhenmetern geben wir uns für den Tag aber doch geschlagen. Am Folgetag probiert es Bene nochmal mit Flo und sie schaffen es bis zum Gipfel mit beeindruckendem Ausblick.

Unser nächster Stellplatz ist tatsächlich richtig schön. Wir schlafen fussläufig von Nusfjord entfernt unterhalb einer Leitplanke am Ufer des Fjords. Wir haben Sonne, die Kids können toben und wir versuchen uns an einem Lagerfeuer. Da das Holz zu nass ist, reicht es gerade so nur für vier Marschmallows, aber immerhin 🙂 Der Spaziergang nach Nusfjord am kommenden Morgen lohnt sich sehr. Nusfjord ist quasi ein Museumsdorf, das gut nachempfinden lässt, wie das Leben hier vor ca. 150 Jahren ausgesehen haben muss. Sehr anschaulich und interessant. Wir geniessen mal wieder zwei Exemplare der weltbesten Zimtschnecken (diesmal teilen wir uns zwei Stück, da auch hier der Preis stolze 5€ beträgt).

Weiter geht es nach Unstad. Hier wollen wir auf einem Pass nächtigen. Als wir oben stehen fühlen wir uns aber sofort im „Patagonien-Trainingslager“. Wir schätzen die Boen auf knappe 80-100km/h und Babsi tut sich schwer auf den Beinen zu bleiben. Deswegen drehen wir um und fahren runter in die Bucht. Hier stehen wir an einem tollen Strand, wo die tapferen Arctic Surfer üben. Die Wellen sind eher mau, so dass wir hier eher die Anfänger vermuten. Aber von draußen betrachtet ist es ja meistens einfacher – und vor allem wärmer ;-). Leider erwischt es hier Bene mit Fieber und er macht einen Tag Bettpause. Zum Glück ist das Wetter nach dem gestrigen Sturm gnädig und so können Emil und Flo ein bisschen sandeln und den Surfern zuschauen.

Tagsdrauf sind alle wieder fit und das Wetter wird wieder schlechter. Deshalb gehen wir am 21.7. ins Wikingermuseum in Borg. Der Ausflug ist mit fast 80€ (Eintritt+zwei Vikingersuppen) für zwei Erwachsene eher von der stolzen Sorte aber wenn wir schonmal hier sind wollen wir es uns nicht entgehen lassen und es ist wirklich interessant. Es gibt ein riesiges Wikingerlanghaus sowie viele Aktionen zum Mitmachen. Die Kids dürfen Ponyreiten und wir alle drehen eine runde auf einem Wikingerboot über den See. Der Bootsführer füllt seine Wikingerrolle perfekt aus und steht mit wehendem Haar (und Bart), nur mit Pulli und ohne Mütze, am Ruder. Wir sind beeindruckt und holen uns auf dem Rückweg die zweite heiße Schokolade um uns zu wärmen…

Wir fahren weiter zu einem Leuchtturm in Hovsund, bei dem ein Walskelett sein soll. Das würde uns alle brennend interessieren und trotzen dem ungemütlichen Wetter noch einmal. Tatsächlich liegt dort ein Teil eines Walskeletts, wir vermuten, dass es sich um den Kiefer handelt. Da er höher ist als Flo mitsamt Bene auf den Schultern, können wir nur ahnen wie groß der ganze Wal sein gewesen muss. Wir nächtigen nicht weit entfernt mitten in der Pampa etwas abseits der Straße. Am kommenden Morgen fahren wir zum Frühstück nach Henningsvær und finden ein sehr schönes Kaffee. Wir teilen uns ein(!) (zugegebenermaßen) riesiges Sandwich und mit zwei Kaffee liegt der Preis bei unfassbaren 27€ und wir werden gerade so satt… Wir nehmen uns vor unterwegs nochmal eine Zimtschnecke als zweites Frühstück zu holen aber bei 7€ / Stück ist unsere persönliche Schmerzgrenze überschritten…

Die Preise vermiesen uns etwas die Lofoten-Begeisterung, da das Preis/Leistung für uns einfach häufig in keinem Verhältnis steht. Ja, Norwegen ist ein teures Land, aber hier wird nochmal eine gute Schippe drauf gelegt. Aber wir sehen auch, dass es genug Leute gibt, die sich davon nicht stören lassen und wenn es immer genug gibt, die den Preis bereit sind zu zahlen, kann man es auch nachvollziehen, dass diese Preise dann auch verlangt werden. Wir beschließen dennoch, dass es Zeit für einen Standortwechsel wird. Wir hoffen auf den Vesterålen der Joghurtbecher/Weißware-Flut zu entgehen und bei der Stellplatzsuche wieder entspannter vorgehen zu können.

Unser Fazit zu den Lofoten: die Natur ist unvergleichlich und absolut atemberaubend. Diese raue Schönheit zu bestaunen lohnt sich definitiv. Wir haben noch nie eine solche Mischung aus Schottland, Canada, Karibik und Alpen auf so engem Raum gesehen. Wirklich einmalig aber wie bei allen Touri-Hotspots muss man dafür einige Negativpunkte in Kauf nehmen: hohe Preise, schwierige Stellplatzsuche und wenig Platz. Bei uns kam erschwerend das eher nass-kalte Wetter hinzu. Wir hatten immerhin schöne sonnige Momente, aber diese waren rar. Alles in allem war es eine sehr schöne Woche und wir sind froh die Lofoten eingeplant zu haben, sie sind wirklich ein Highlight! Gleichzeitig sind wir aber auch froh dem Rummel am 23.07.2022 wieder zu entkommen und freuen uns auf alles was auf dem weiteren Weg zum Nordkapp noch auf uns warten mag…

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